Inzest-Vater begnadigt
Immer der Reihe nach.
Wenn es Ihnen Bauchschmerzen bereitet dass in Deutschland jemand für drei Jahre hinter Gitter muss, weil
- seine Frau ihm genetisch zu ähnlich ist,
- seine Kinder potentiell das deutsche Idealbild an körperlicher und geistiger Stärke unterschreiten,
- den meisten von uns bei dem Gedanken an Geschwisterliebe schlecht wird und wir uns unnormal fühlen würden, wenn wir diese Empfindung nicht mit allen Mitteln Andersdenkenden aufzwingen würden,
- wir auch gerne mal Menschen einem moralischen Zweck opfern,
- manche Leute glauben, Unrecht ließe sich durch noch größeres Unrecht beseitigen,
- wir dank 3 Millionen Jahren Evolution und 1,2 kg Gehirnmasse endlich in der Lage sind, uns für jeden noch so unsinnigen und primitiven Beweggrund die plausibelsten Erklärungen zurechtzubasteln, die wir uns dann sogar selbst glauben und
- Verfassungsrichter auch dann ruhigen Gewissens ihre Besoldung weiterbeziehen, wenn sie sich um die Fragen gedrückt haben, die die Gesellschaft ihnen — nicht dem Gesetzgeber — zur Beantwortung am Maßstab der Wertungen unseres Grundgesetzes — nicht irgendwelcher eigenen laienhaften Plausibilitätserwägungen — gestellt hatte,
dann können Sie jetzt etwas tun.
Nein, ich weiß nicht, ob es etwas bringt, aber Sie können etwas tun:
Sie können für zwei Minuten Ihre Prinzipien ablegen (”Online-Petitionen sind Schwachsinn”, “Tropfen auf den heißen Stein”, “Links, auf die man klicken soll klicken nur Menschen mit schwachem Charakter” — jaja, ich denke doch sonst auch nicht anders) und hier unterzeichnen.
Im besten Fall helfen Sie dabei, die Überschrift dieses Beitrags wahr zu machen und zu zeigen, dass auch in Deutschland manchmal Gnade vor Recht geht.
Und im schlimmsten Fall haben Sie eben zwei Minuten Zeit vergeudet, um einem Mann, der eigentlich nichts hatte und dann doch irgendwie alles verloren hat die Haftzeit zu erleichtern.
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